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2026: Was sich für Selbstständige in Deutschland ändert

Das Jahr 2026 bringt auch für dich als Selbstständigen eine Reihe von finanziellen und rechtlichen Veränderungen, die deinen Alltag, Steuerlast und Mobilitätskosten beeinflussen können. Viele Neuerungen zielen darauf ab, Entlastungen bei Steuern und Alltagkosten zu schaffen – gleichzeitig gibt es aber auch Mehrkosten in wichtigen Bereichen, die du kennen solltest.

Steuern: Mehr Netto vom Einkommen, aber neue Regeln

Ein großer Brocken der Reformen betrifft die Einkommensteuer und steuerliche Freibeträge. Der steuerliche Grundfreibetrag – also der Teil deines Einkommens, der steuerfrei bleibt – wird 2026 angehoben. Das bedeutet: Du darfst mehr verdienen, bevor du Steuern zahlst, was besonders für kleine Einkommen und Selbstständige mit wechselnden Einnahmen spürbar ist. Konkret steigt der Grundfreibetrag von aktuell 12.096 € auf 12.348 € an. 

Auch die Pendlerpauschale wurde überarbeitet, was für dich relevant ist, wenn du für Kundentermine oder Bürobesuche mit dem Auto unterwegs bist. Ab 2026 kannst du 38 Cent pro gefahrenem Kilometer von der Steuer absetzen – schon ab dem ersten Kilometer. Das erleichtert die steuerliche Absetzbarkeit deiner Fahrtkosten deutlich im Vergleich zu früheren Regelungen. Bisher galt die höhere Pauschale erst ab dem 21. Kilometer. 

Ein weiteres steuerliches Update betrifft die Art, wie du deinen Steuerbescheid erhältst: Reiche deine Erklärung elektronisch ein, bekommst du künftig auch automatisch einen digitalen Steuerbescheid – andersrum nur auf Antrag noch Papier.

Ermäßigte Mehrwertsteuer in der Gastronomie

Seit dem 01. Januar 2026 gilt in Restaurants, Cafés und Gaststätten dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen. Die Entscheidung der Bundesregierung sorgt für kontroverse Diskussionen: Während die Gastronomiebranche auf Entlastung hofft, kritisieren Ökonomen die Regelung als kostspieliges politisches Zugeständnis. Für Gäste wiederum stellt sich vor allem eine Frage: Wird Essen gehen jetzt günstiger?

Sieben Prozent statt 19: Steuerliche Entlastung für Speisen

Mit der Neuregelung werden Speisen, die vor Ort verzehrt werden, steuerlich genauso behandelt wie Außer-Haus-Verkäufe. Statt des regulären Mehrwertsteuersatzes von 19 Prozent fallen seit 2026 nur noch sieben Prozent Umsatzsteuer an. Ziel der Maßnahme ist es, die Gastronomie dauerhaft zu entlasten und wirtschaftlich zu stabilisieren – insbesondere nach Jahren stark gestiegener Kosten.

Die Steuerersparnis verbleibt dabei zunächst vollständig bei den Betrieben. Ob und in welchem Umfang sie an die Gäste weitergegeben wird, ist gesetzlich nicht geregelt.

Kritik aus der Wirtschaft: Teures Wahlgeschenk mit geringer Wirkung

Ökonomen bewerten die Maßnahme kritisch. Sie sprechen von einem teuren Wahlgeschenk der schwarz-roten Koalition, da dem Staat jährlich erhebliche Steuereinnahmen entgehen. Gleichzeitig sei der Effekt für Verbraucher begrenzt, weil niedrigere Steuersätze nicht automatisch zu niedrigeren Preisen führen.

Aus wirtschaftlicher Sicht profitieren vor allem die Unternehmen selbst, während der gesamtwirtschaftliche Nutzen – etwa eine spürbare Belebung der Nachfrage – als eher gering eingeschätzt wird.

Was die Neuregelung langfristig bewirken soll

Aus Sicht der Politik soll die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer vor allem Planungssicherheit für die Branche schaffen. Gastronomen können Investitionen besser kalkulieren und sind weniger anfällig für kurzfristige steuerpolitische Änderungen. Gerade kleinere Betriebe sollen dadurch stabiler wirtschaften können. Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt davon ab, ob die Entlastung tatsächlich zu mehr Investitionen, besseren Arbeitsbedingungen oder langfristig stabileren Preisen führt – oder lediglich bestehende Belastungen kompensiert.

Krankenversicherung und Sozialabgaben

Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse sind 2026 für viele Selbstständige ein Thema: Zwar bleibt der allgemeine Beitragssatz, doch viele Krankenkassen haben ihren Zusatzbeitrag erhöht. Das kann dazu führen, dass deine monatlichen Ausgaben für Gesundheitspflege steigen, vor allem wenn du als freiwilliges Mitglied versichert bist.

Zusätzlich steigen die Beitragsbemessungsgrenzen, also die Grenzen, bis zu denen Einkommen beitragspflichtig ist. Für Gutverdiener, aber auch für Selbstständige mit starken Einnahmespitzen bedeutet das oft höhere Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Deutschlandticket & Mobilität

Mobilität ist für viele Selbstständige ein zentraler Kostenfaktor. Ab 2026 wird das Deutschlandticket teurer: Statt wie bisher 58 € zahlst du für das monatliche Abonnement im regionalen Nahverkehr 63 € pro Monat. Diese Preiserhöhung gilt bundesweit und betrifft vor allem diejenigen, die das Angebot regelmäßig für Kundentermine oder Pendelstrecken nutzen. 

Weitere Punkte, die du kennen solltest

Neben Steuern und Mobilität gibt es noch einige weitere Änderungen, die für deinen Alltag relevant sein könnten:

  • Mindestlohn und Verdienstgrenzen: Zwar betrifft der Mindestlohn direkte Löhne eher Arbeitnehmer, aber auch bei Minijobbern in deinem Umfeld – etwa wenn du gelegentlich Unterstützung beschäftigst – gelten neue Höchstverdienstgrenzen. Der Mindestlohn steigt seit dem 01.01.2026 auf 13,90 Euro pro Stunde, die monatliche Verdienstgrenze für Minijobs auf 603 €.

  • Kindergeld und Kinderfreibetrag: Falls du Kinder hast und diese mit in deine finanzielle Planung einbeziehst, steigen sowohl das Kindergeld als auch der Kinderfreibetrag – was deine private Steuerbelastung indirekt senken kann. 

  • Energie- und Gaskosten: Die Abschaffung der Gasspeicherumlage kann dir helfen, deine Betriebskosten zu senken – ein kleines, aber spürbares Entlastungselement gerade bei höheren Energiekosten. 

Gute Chancen – aber auch Verantwortung

Für Selbstständige bringt 2026 eine Mischung aus finanziellen Entlastungen und neuen Kostenpunkten. Die Erhöhung des Grundfreibetrags und die optimierte Pendlerpauschale wirken sich positiv auf deine Steuerlast aus, während höhere Zusatzbeiträge zur Krankenkasse und teurere Mobilitätskosten im Alltag ins Gewicht fallen können. Wichtig ist: Nutze jede Möglichkeit zur Steuerersparnis, plane deine Versicherungsbeiträge realistisch und prüfe regelmäßig deine betriebliche und private Kostenstruktur.

Wenn du jetzt aktiv deine Steuer- und Finanzplanung für 2026 angehst, kannst du nicht nur böse Überraschungen vermeiden, sondern auch konkret profitieren – sowohl finanziell als auch organisatorisch.

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