Viele Selbständige arbeiten auch im Rentenalter
Ein Trend zeichnet sich ab: Mehr als die Hälfte der Befragten, 55,6 Prozent, gaben an, bis über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. Die Gründe dafür sind einerseits existenzieller Natur: So sagen rund 44 Prozent, dass sie auf Zuverdienst angewiesen seien und deshalb weiter arbeiten würden. Währenddessen wollen rund 35 Prozent aus reiner Freude weiterarbeiten und 13,2 Prozent möchten sich durch ihre Tätigkeit geistig fit halten.
"Dass so viele Selbstständige über das Rentenalter hinaus arbeiten wollen oder müssen, hat zwei Seiten: Für viele ist Arbeit Teil ihrer Identität, für andere ist sie wirtschaftliche Notwendigkeit. Umso wichtiger ist es, faire Regeln zu schaffen. Zum einen braucht es faire Honorare und Sozialversicherungsbeiträge, damit Selbstständige ausreichend fürs Alter vorsorgen können: Gerade in sozialen Berufen, in denen der Staat das Honorar festlegt, reicht das Geld für eine auskömmliche Rente oft nicht aus. Zum anderen darf nicht sein, dass gerade diejenigen, die eigenverantwortlich vorsorgen und auch im Alter weiter Leistung bringen, steuerlich und sozialpolitisch schlechter behandelt werden als Angestellte", meint Dr. Andreas Lutz, VGSD e.V.
Mehr als die Hälfte der Befragten, 52,4 Prozent, investiert bis zu 500 Euro monatlich in die Altersvorsorge. 25,8 Prozent legen 501 bis 1000 Euro zur Seite, 11,1 Prozent spart 1001 bis 1500 Euro, 5,2 Prozent investiert sogar 1501 bis 2000 Euro und 5,6 Prozent spart mehr als 2000 Euro.
Rund 85,5 Prozent finden, dass die Sozialversicherungsbeiträge fairer berechnet werden sollten. Nur vier Prozent sagen, dass die Berechnung fair gestaltet ist.
Hier zeigen die Daten einen Trend: Im Jahr 2024 waren es rund 83 Prozent der Selbstständigen, die mitunter erheblichen Verbesserungsbedarf bei der sozialen Absicherung sahen. In 2018 lag der Anteil bei 82,4 Prozent.
Seit dem 1. Januar 2026 gilt die Aktivrente. Rentner können bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei dazuverdienen, wenn sie in einem Angestelltenverhältnis sind. Selbstständige Rentnerinnen und Rentner dagegen sind weiterhin voll steuerpflichtig. Rund 81 Prozent der Befragten finden das ungerecht.
"Angestellte, die im Alter weiterarbeiten, können monatlich bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen - Selbstständige bleiben außen vor. Dass sie von diesem Steueranreiz nicht profitieren dürfen, empfinden viele Selbstständige zurecht als ungerecht. Zumal sie die Aktivrente über ihre Steuergelder mitfinanzieren. Die Regierung tut alles, um Fachkräfte möglichst lange im Arbeitsmarkt zu halten - und übersieht dabei, dass sie Millionen hoch qualifizierte Selbstständige mit ihren Entscheidungen vor den Kopf stößt. Diese Benachteiligung aufgrund der Erwerbsform muss aufhören: Die Politik sollte die Aktivrente schnellstmöglich auch für Selbstständige öffnen", erklärt Dr. Andreas Lutz, VGSD e.V.
Selbstbestimmung und Flexibilität wichtiger als unregelmäßige Aufträge und dauerhaft hohe Abgaben
Die Hauptmotivationen, selbstständig zu sein, sind - wie auch bei den letzten beiden Befragungen - eigenbestimmtes Arbeiten und flexible Arbeitszeiten. Und die Motivation ist gestiegen. Gaben bei der Befragung im Jahr 2018 rund 45 Prozent der Teilnehmer das selbstbestimmte Arbeiten als eine der Hauptmotivationen ihrer Selbstständigkeit an, waren es 2024 mit 92,2 Prozent mehr doppelt so viel. Heute sind es 89,2 Prozent. Ebenso war im Jahr 2018 für rund 27 Prozent die Möglichkeit des flexiblen Arbeitens am wichtigsten, 2024 waren dies für 72,1 Prozent das entscheidende Kriterium und heute ist es für 62,1 Prozent der wichtigste Grund.
Die hohe Selbstbestimmung durch Freiheit und Flexibilität kann mit einer geringeren Vorhersehbarkeit der Einnahmen einhergehen. Am meisten Sorgen macht den Befragten in diesem Jahr die Unplanbarkeit der Aufträge und Kunden, 40,9 Prozent, gefolgt von einer dauerhaft hohen Abgabeverpflichtung in Zeiten schwankender Einnahmen, 39,5 Prozent.
Dennoch würden sich mehr als 83,3 Prozent der Befragten wieder selbstständig machen. Mehr als die Hälfte, 57,2 Prozent, denkt überhaupt nicht daran, in ein Angestelltenverhältnis zu wechseln, etwas mehr als 37,1 Prozent kommen manchmal ins Grübeln und knapp sechs Prozent planen es.