Das Ende der Riester-Ära und der Mut zum Neuen
Die seit dem Jahr 2002 bestehende Riester-Rente gilt heute in vielen Punkten als gescheitert oder zumindest als stark reformbedürftig. Ein Hauptgrund für die mangelnde Akzeptanz lag in der gesetzlich vorgeschriebenen Beitragsgarantie, die Anbieter zwang, das Geld so sicher anzulegen, dass kaum Spielraum für renditestarke Investitionen am Aktienmarkt blieb. Die Anzahl der abgeschlossenen Riester-Verträge ist bereits seit 2017 rückläufig und viele Anbieter haben sich deshalb in den letzten Jahren sogar gänzlich aus dem Markt zurückgezogen, da die Beitragserhaltungszusage unter den gegebenen Zinsbedingungen nicht mehr zu erwirtschaften war.
Der neue Gesetzentwurf bricht mit diesem Sicherheitsdogma und ermöglicht künftig eine realwertorientierte Anlagestrategie. Die Reform soll die private Altersvorsorge unbürokratischer und transparenter machen, damit sie für dich als Sparer wieder attraktiver wird. Dabei steht nicht mehr nur die bloße Erhaltung deines Kapitals im Vordergrund, sondern die aktive Beteiligung an den Renditechancen der Kapitalmärkte. Dies ist besonders für Selbstständigen wichtig, da sie oft über längere Zeiträume planen und somit von den Zinseszinseffekten einer aktienbasierten Anlage profitieren können.
Deine neuen Chancen durch das Altersvorsorgedepot
Ein zentrales Element der Reform ist die Einführung eines sogenannten Altersvorsorgedepots. Im Gegensatz zu den alten Modellen ist dieses Depot „ohne Garantie“ konzipiert, was bedeutet, dass die Anleger direkt in Investmentfonds, ETFs oder andere geeignete Anlageklassen investieren.
Der Wegfall nominaler Kapitalgarantien ist eine bewusste Entscheidung der Bundesregierung, um langfristig höhere Renditechancen zu eröffnen. Da für die Altersvorsorge typischerweise lange Anlagezeiträume gelten, können temporäre Schwankungen am Markt über die Jahre hinweg ausgeglichen werden. Für dich als Kleinunternehmer bietet dieses Depot die Flexibilität, die du in deinem geschäftlichen Alltag benötigst, da es auf kostentreibende Sicherheitsmechanismen verzichtet. Du kannst künftig aus einer Vielzahl von Produkten wählen, die von Banken, Versicherungen oder auch Neobrokern angeboten werden dürfen. Das Gesetz sieht vor, dass auch staatliche Angebote als Alternative zu den privaten Finanzfirmen geschaffen werden, um den Wettbewerb zu beleben.
Die historische Einbeziehung der Selbstständigen
Die wohl bedeutendste Neuerung ist die Ausweitung des Kreises der Förderberechtigten. Bisher hatten vor allem nicht pflichtversichert Selbstständige kaum Möglichkeiten von staatlichen Zulagen zu profitieren. Die Bundesregierung trägt nun der Realität Rechnung, dass gerade Selbstständige überdurchschnittlich häufig von prekären Lebensverhältnissen im Alter bedroht sind. Verbände wie der VGSD, die sich seit Jahren für ein solches Altersvorsorge-Depot für Selbstständige eingesetzt haben, begrüßen die Reform daher ausdrücklich als wichtigen politischen Erfolg und überfälligen Schritt für mehr flexible und renditestarke Vorsorge für Selbstständige.
Künftig werden auch Freiberufler und Selbstständige explizit motiviert, zusätzlich zu einer Basisabsicherung eine ergänzende private Altersvorsorge aufzubauen. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Schließung einer Gerechtigkeitslücke im Sozialsystem, da Selbstständigen die steuerlich geförderte betriebliche Altersversorgung in der Regel nicht zur Verfügung steht. Auch sie erhalten damit die Chance, mit staatlicher Unterstützung ein Kapitalvermögen aufzubauen, das im Alter die nötige finanzielle Unabhängigkeit sichert.