Nebenberuflich oder hauptberuflich gründen?
Eine der wichtigsten Entscheidungen betrifft die Frage, ob die Selbstständigkeit zunächst nebenberuflich oder direkt hauptberuflich gestartet werden soll.
Die nebenberufliche Selbstständigkeit erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Sie bietet die Möglichkeit, erste Erfahrungen zu sammeln und Kunden zu gewinnen, während das Einkommen aus der Festanstellung weiterhin für finanzielle Sicherheit sorgt.
Gerade für Dienstleister, Berater, Coaches, Freelancer und Online-Unternehmer stellt dieser Weg oft eine attraktive Lösung dar. Risiken können reduziert und Geschäftsmodelle in der Praxis getestet werden.
Allerdings bringt die Doppelbelastung auch gewisse Herausforderungen mit sich. Neben dem Hauptberuf bleibt häufig nur wenig Zeit für Kundenakquise, Marketing und Unternehmensentwicklung.
Wer direkt hauptberuflich gründet, kann seine gesamte Energie in den Unternehmensaufbau investieren. Gleichzeitig steigt jedoch der finanzielle Druck erheblich, da die laufenden Lebenshaltungskosten vollständig aus den Unternehmensgewinnen gedeckt werden müssen.
Welche Variante sinnvoller ist, hängt von der individuellen Situation, der Geschäftsidee und den finanziellen Reserven ab.
Statusfolgen
Ob eine Tätigkeit als Selbstständigkeit oder (abhängige) Beschäftigung gewertet wird, hat weitreichende Folgen. Selbstständige …
- sind (bis auf wenige Ausnahmen) nicht sozialversicherungspflichtig,
- müssen sich um die Abrechnung ihrer Leistungen und die darauf fällige Einkommensteuer selbst kümmern (ihre Auftraggeber führen keine Lohnsteuer ab),
- müssen auf ihre Honorare in der Regel Umsatzsteuer aufschlagen,
- zahlen bei Ausübung gewerblicher Tätigkeiten Gewerbesteuer,
- können sich nicht auf die Arbeitnehmerschutzrechte berufen und
- haben auch keinen gesetzlichen Anspruch auf Erholungsurlaub.
Mangels konkreter gesetzlicher Kriterien haben die Arbeits- und Sozialgerichte im Laufe der Zeit Anhaltspunkte für den Selbstständigkeits-Status eines Auftragnehmers entwickelt.
Kriterien der Selbstständigkeit
Eine eindeutige positive Definition des Selbstständigkeits-Begriffs gibt es bisher nicht. Anlass zum Zweifel an der Selbstständigkeit einer Tätigkeit geben einzelne Kriterien – insbesondere …
- das Fehlen eigener Mitarbeiter,
- das Fehlen einer eigenen Betriebsstätte und eigener Arbeitsmittel,
- das Fehlen öffentlicher Selbstvermarktung (keine Geschäftspapiere, Website, Anzeigen, Flyer etc.),
- die regelmäßige Zahlung gleichbleibender Dienstleistungs-Honorare durch den Auftraggeber,
- konkrete Anweisungen des Auftraggebers über die genaue Art der Auftragserledigung und vor allem
- die Einbindung in die betriebliche Organisation des Auftraggebers (z. B. Personalakte, interner Telefonanschluss, E-Mail-Adresse, Urlaubsplanung).
Die Selbstständigkeit einer Person lässt sich dabei nicht allgemein beurteilen. Entscheidend für die Feststellung einer eventuellen Scheinselbstständigkeit ist die Gesamtschau des Einzelfalls – und zwar bezogen auf eine ganz bestimmte Tätigkeit.
Zuständig für Statusbeurteilungen ist der „Betriebsprüfdienst“ der Deutschen Rentenversicherung. Dessen Feststellungen gelten für alle Zweige der Sozialversicherung – also auch für die Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Arbeitgeber werden mindestens alle vier Jahre geprüft. Bei Selbstständigen ohne eigene Mitarbeiter finden keine regelmäßigen Kontrollen statt. Verdachtsabhängige Prüfungen sind aber jederzeit möglich. Außerdem können Statusfeststellungsverfahren sowohl von Auftraggebern als auch Auftragnehmern beantragt werden. Die Nachteile einer im Nachhinein festgestellten Scheinselbstständigkeit gehen in aller Regel zulasten des Auftraggebers.
Persönliche Voraussetzungen für die Selbstständigkeit
Erfolgreiche Unternehmer zeichnen sich selten durch eine einzelne besondere Eigenschaft aus. Vielmehr verfügen sie über eine Kombination verschiedener Fähigkeiten und Einstellungen.
Selbstständigkeit bedeutet, Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen und auch in schwierigen Phasen handlungsfähig zu bleiben. Rückschläge gehören nahezu zwangsläufig dazu. Nicht jede Marketingmaßnahme funktioniert, nicht jeder Kunde bleibt dauerhaft erhalten und nicht jede Idee entwickelt sich wie geplant.
Deshalb sind Durchhaltevermögen, Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit wichtige Erfolgsfaktoren.
Gleichzeitig sollte niemand glauben, alle Fähigkeiten von Anfang an besitzen zu müssen. Viele unternehmerische Kompetenzen lassen sich erlernen. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Besonders hilfreich sind Fähigkeiten in den Bereichen Kommunikation, Vertrieb, Zeitmanagement und Finanzplanung. Denn selbst das beste Produkt verkauft sich nicht von allein.
Typische Fehler beim Start vermeiden
Viele Gründungen scheitern nicht an der Geschäftsidee selbst, sondern an vermeidbaren Fehlern in der Umsetzung.
Ein häufiger Fehler besteht darin, zu lange auf den perfekten Zeitpunkt zu warten. Natürlich sollte eine Gründung gut vorbereitet werden. Wer jedoch ständig weitere Informationen sammelt und nie ins Handeln kommt, wird keine praktischen Erfahrungen sammeln.
Ebenso problematisch ist das Gegenteil: der übereilte Start ohne ausreichende Planung. Gerade steuerliche, rechtliche und finanzielle Aspekte sollten vor der Gründung geklärt werden.
Ein weiterer Fehler besteht darin, die Kundengewinnung zu unterschätzen. Viele Gründer investieren viel Zeit in Logos, Visitenkarten oder technische Details, während Marketing und Vertrieb zu wenig Aufmerksamkeit erhalten.
Letztlich entscheidet jedoch die Zahl zahlender Kunden über den Erfolg eines Unternehmens.
Deshalb sollte bereits frühzeitig überlegt werden, wie potenzielle Kunden erreicht werden können und welche Maßnahmen zur Kundengewinnung sinnvoll sind.